Samstag, 3. Juni 2017

[Rezension] Fireman - Joe Hill

[Rezension] Fireman - Joe Hill


Titel: Fireman 
Autor: Joe Hill
Seitenzahl: 960
Verlag: Heyne
ISBN-10: 345331834X
ISBN-13: 978-3453318342
Erscheinung Erstausgabe: 09.05.2017

Genre: Endzeitroman
Handlungsort: New Hampshire, USA


Inhalt:

Eine furchtbare Seuche namens Dragonscale bricht über die Erde herein. Bei den Infizierten bildet sich auf der Haut als Vorbote zunächst ein Tattoo ähnliches Muster. Dies bedeutet, dass die Betroffenen nur noch wenige Wochen zu leben haben, bevor sie in Flammen aufgehen und verbrennen. Keiner weiß, wie sich die Seuche verbreitet und welche Schutzmaßnahmen zu ergreifen sind. Die öffentliche Ordnung geht verloren, alles versinkt mehr und mehr in Chaos, Lebensmittel werden knapp und die Menschheit droht daran unterzugehen.

Auch die junge Krankenschwester Harper Grayson entdeckt bald Dragonscale Male auf ihrer Haut. In dem verzweifelten Versuch das Leben von sich und ihrem ungeborenen Kind zu schützen, trifft sie auf einen geheimnisvollen Fremden, der sie zu einer Gemeinschaft führt, die das Virus anscheinend kontrollieren kann.



Cover und Gestaltung:


Das Cover ist mit der dunklen Farbgebung und den hellen Flammen in der Mitte ein echter Hingucker. Inmitten der Flamen ist die Silhouette des "Firemans" zu sehen, was ich jedoch wie den Titel etwas irreführend finde, da dieser gar nicht so eine entscheidende Rolle einnimmt wie Titel und Cover suggerieren. 



Meine Meinung:


Als ich den Klappentext las, erwartete ich mir einen tollen Endzeiroman. Dies schien sich zumindest auch auf den ersten ca. 150 Seiten zu bewahrheiten. Man wurde mitten ins Geschehen hinein geworfen, die Pandemie war bereits ausgebrochen und Großteile des Landes bereits in Rauch und Asche gelegt. Dieses Szenario beschreibt Joe Hill in erschreckenden, bildgewaltigen und stimmungsvollen Bildern und schafft somit gleich zu Beginn eine tolle Endzeit Atmosphäre. 

Wir begleiten Harper, eine junge Krankenschwester, die bald die ersten Hautveränderungen an sich entdeckt. Mit etwas Glück stößt sie zu einer Gruppe, die gelernt hat die Infektion zu kontrollieren und damit am ausbrechen zu hindern. 

Und ab diesem Punkt ging das Buch dann aber in eine ganze andere Richtung. Es konzentrierte sich leider nur noch auf eine kleine Gruppe Überlebender und so ging sehr viel von der Endzeit Atmosphäre verloren und man bekam fast überhaupt nichts mehr von der Außenwelt mit. Viel lieber hätte ich gelesen, wie die Protagonisten sich durch die zerstörte Welt und Schutt und Asche kämpfen müssen, anstatt was sich in Camp Wyndham abspielt.

Das Buch hatte zwar trotzdem noch sehr interessante Facetten, in dem es zum Beispiel sehr gut die Gruppendynamik innerhalb dieses Camps darstellte. Auch wie sich die Dragonscale Seuche verbreitet und zum Beispiel das Bewusstsein der Infizierten ändert fand ich sehr originell von Joe Hill ausgearbeitet.

Aber das waren leider sehr wenige Glanzpunkte auf den 960 Seiten. Und das ist das größte Problem für mich an dem Buch gewesen. Es war einfach viel zu langatmig, besonders im Mittelteil, der sich nur auf die zwischenmenschlichen Beziehungen in dieser Gruppe konzentrierte.  Hätte man das Buch stark gekürzt auf einen normalen Roman von etwa 400-500 Seiten Länge, hätte es trotz meiner anderen Erwartungshaltung dennoch eine gute Geschichte werden können. So aber langweilte es mich den größten Teil über doch sehr und man musste sich schon etwas hindurch quälen.

Die Charaktere sind eigentlich sehr gut gezeichnet, da ja auch ein großer Teil aus dieser Charakterstudie besteht. Leider konnte mich aber auch niemand davon emotional mitreißen und mich dadurch an das Buch fesseln.

Zur Protagonistin Harper, die seit ihrer Kindheit für Mary Poppins schwärmt, konnte ich leider von Anfang an keine richtige Bindung aufbauen, da ich viele ihrer Handlungen nicht nachvollziehen konnte. Das Buch wird aus ihrer Perspektive erzählt, was ich für einen 960 Seiten Roman aber auch etwas eintönig fand. Da hätte ich lieber noch aus der ein oder anderen Perspektive mehr erfahren. 
Der Fireman ist zwar am Anfang noch eine mysteriös anmutende Person wie man sie sich anhand des Klappentextes vorstellt. Doch schon bald ist er gar nicht mehr so unnahbar und eher ein Typ, der alles ziemlich locker nimmt. 
Auch der Titel "Fireman" ist sehr irreführend. Denn dieser mutiert leider bald zu einer reinen Nebenfigur und hat auch nicht die herausstechende Rolle inne, die man bei dem Titel und Klappentext vermuten würde.


Fazit:


"Fireman" ist ein Endzeitroman mit einer originellen Grundidee und anfangs beklemmender und bildgewaltiger Atmosphäre. Leider verschwindet diese nach dem tollen Anfang nahezu ganz und der Roman beschränkt sich größtenteils auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Gruppendynamik innerhalb einer sektenähnlichen Gemeinschaft und weniger auf den Untergang der Welt. 
Dazu ist er viel zu lang geraten und wäre auch locker mit der Hälfte der Seiten ausgekommen.
Deshalb kann ich ihn nur geduldigen Lesern mit Interesse an solchen Gruppendynamiken in Extremsituationen empfehlen. Endzeitflair bekommt man hier leider weniger.





   Originalität     

   Umsetzung      

    Schreibstil      

     Charaktere     


        Tempo        

          Tiefe         


        Lesespaß      




Vielen Dank an den Heyne Verlag für die Zustellung des Rezensionsexemplars!






Kommentare:

  1. Hallo Julia,

    schade, dass das Buch doch so langatmig war. Eigentlich mag ich den Schreibstil von Joe Hill ja, aber die von dir angesprochenen Punkte stören mich hier sehr, weshalb ich das Buch vorerst nicht lesen werde.

    Danke für deine Meinung und liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Hallo Uwe,
      ich weiß leider nicht, wie sonst der Schreibstil von Joe Hill ist, da es mein erstes Buch von ihm war. Ich werde aber wohl irgendwann nochmal "Christmasland" von ihm probieren, da ja da alle so davon schwärmen.

      Viele Grüße, Julia

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    2. "Christmasland" hat mir sehr gut gefallen und bisher habe ich zwei Bücher von ihm gelesen. Aber sein Neues wird es wohl nicht.

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  2. Hallo Julia,

    das hast du sehr gut auf den Punkt gebracht. Wir sind hier eindeutig einer Meinung. Ich mag so Gruppen-Dynamik-Geschichten ohnehin nicht und daran hatte ich auch zu knabbern. Wenn es nicht den Kern der Handlung ausgemacht hätte, dann wäre meine Bewertung besser ausgefallen.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Huhu Nicole,

      ja man erwartet halt bei dem Klappentext einfach etwas ganz anderes und wir enttäuscht. Den hätte man auf jeden Fall anders formulieren sollen.
      Naja und wenn es die Geschichte in etwa 500 Seiten erzählt hätte und oft nicht so langatmig gewesen wäre, wäre meine Bewertung auch besser gewesen.

      Viele Grüße, Julia

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  3. Hallo Julia,
    diese eine Perspektive + ungefähr 400-400 Seiten zu viel haben die Geschichte schon etwas ausgebremst. Ich bin ganz bei dir und danke dir, dass du bei der Leserunde mit uns zusammen durchgehalten hast.
    Deine Rezi ist verlinkt.
    Liebste Grüße, Hibi

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    1. Huhu Hibi,
      ja ich bin auch froh, dass wir die Leserunde hatten und ich dadurch animiert wurde es zeitnah weiter zu lesen.
      Danke fürs Verlinken!

      Viele Grüße, Julia

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  4. Hi Julia :D

    Wir haben das Buch alle in etwa gleich empfunden! Schade, denn Joe Hill kann es echt besser. Mir hat vor allem Spannung gefehlt und ein gewisser roter Faden. Ich weiß immer noch nicht, was uns die Geschichte denn letztendlich sagen wollte!

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Huhu Jessi,
      für mich war es ja das erste Buch von Joe Hill. Aber ich werde es irgendwann sicher nochmal mit "Chistmasland" versuchen. Davon scheinen ja alle begeistert zu sein.

      Viele Grüße, Julia

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