Donnerstag, 2. Februar 2017

[Rezension] Atemnot - Ilsa J. Bick

[Rezension] Atemnot - Ilsa J. Bick


Titel: Atemnot 
Autor: Ilsa J. Bick
Seitenzahl: 352
Verlag: Egmont Ink
ISBN-10: 3863960645
ISBN-13: 978-3863960643
Erscheinung Erstausgabe: 04.09.2014
Genre: Roman, Belletristik, (Jugendbuch)





Inhalt:

Jenna Lord musste schon viel durchmachen. Angefangen von der Nahtoderfahrung in ihrer Kindheit, über das Zusammenflicken ihres Körpers bis hin zu ihrer mehr als verkorksten Familie. Der Vater ist ein Neurotiker den sie auch als "Psycho Dad" bezeichnet, die Mutter eine Alkoholikerin. Ihr älterer Bruder Matt war immer der Einzigste, der für sie da war. Doch dieser ist nun im Irak stationiert und die Eltern haben den Kontakt zu ihm abgebrochen, nachdem er gegen ihren Willen in den Krieg gezogen ist. Nach dem Aufenthalt in einer Psychiatrie soll sie in einem anderen Ort an einer neuen Schule ganz neu beginnen. Doch auch dort gestaltet sich der Anfang schwierig, bis sie auf einen Menschen trifft, dem sie anscheinend nicht gleichgültig ist. Doch auch hinter dessen offener und sympathischen Fassade verbirgt sich noch etwas ganz anderes....


"Und dann gibt es noch die Geschichten, bei denen man schwer sagen kann, wer der Prinz und wer das Monster ist, wer das Opfer und wer es verdient, bis an sein Lebensende glücklich und zufrieden zu leben. Diese Geschichten sind die besten."




Cover und Gestaltung:

Das Cover gefällt mir sehr gut und ist sehr passend zur Geschichte. Genau so wie der Titel, was sich einem aber erst beim Lesen erschließt. Das düstere, beklemmende des Covers und der rote Schriftzug lässt einen schon vermuten, dass das Buch eher in Richtung Drama/Thriller geht, anstatt eines Romans wie vorn aufgedruckt.


Meine Meinung:

Das Buch hat einen Klappentext, unter dem man sich noch gar nicht so richtig vorstellen kann, was einen in dieser Geschichte erwartet. Genau das hatte mich angesprochen und ich war sehr gespannt.

Das Buch beginnt sozusagen am Ende, welches schon verrät dass etwas dramatisches passiert sein muss. Jenna Lord wird von der Polizei halb erfroren aus einem See gezogen. Da sie nicht in der Lage ist dem Polizist gegenüber zu erzählen was geschehen ist, gibt dieser ihr ein Aufnahmegerät auf das sie ihre Geschichte sprechen soll. Und genau diese Tonbandaufnahme, auf die Jenna im Krankenhaus die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt, stellt den Haupteil des Buches dar. 
Ich fand diese Erzählweise besonders gut gelungen, denn man bekommt so einen tiefen intimen Einblick in die beschädigte Seele von Jenna. Man ist ihr dabei viel näher als bei einer herkömmlichen Erzählweise, denn dadurch dass sie alles gnadenlos auf ein Diktiergerät spricht, erzählt sie natürlich einfach darauf los wie es ihr in den Sinn kommt. Manchmal schweift sie ab oder stoppt abrupt, wenn sie meint etwas doch nicht erzählen zu sollen. Man kann so ihre Gedankengänge sehr gut nachvollziehen und man fühlt sich so als säße sie direkt neben einem. Dennoch ist es natürlich ihr rein subjektiver Bericht und ich fragte mich öfters, ob sie vielleicht hier und da etwas falsch verstanden hat oder aufgrund ihrer psychischen Probleme anders ausgeführt hat, was das Ganze natürlich noch spannender machte.

Auch mit dem Schluss zu beginnen, ist hier ein sehr gelungenes Mittel um die Spannung zu steigern. Denn auch dieser Anfang ist, genau wie der Klappentext sehr kryptisch, so dass man natürlich trotzdem nicht weiß wie Jenna in den See gekommen ist und was passiert ist. Der Anfang der Tonbandaufnahme war stellenweise dann zwar ein wenig langatmig, aber es werden auch während Jennas Aufzeichnungen immer wieder Andeutungen auf etwas Schlimmes eingestreut, was die Spannung immer wieder anhebt und man rätselt unwillkürlich mit, welch einen dramatischen Verlauf die Geschichte wohl nehmen wird. Doch die Puzzleteilchen fügen sich erst ganz zum Schluss zusammen. Aber auch schon während der Geschichte kommen viele unfassbare und schockierende Details aus Jennas Leben ans Licht. Und so beinhaltet es einige unerwartete Wendungen.

Das Ende raubt einem wie der Titel sagt wirklich den Atem und berührt zugleich. Selbst ich, die bei Büchern eigentlich nie weint, konnte mir ein paar Tränchen nicht verdrücken und es ist definitiv ein Buch, was noch länger nachhallt. 
Dennoch wird das Ende nicht jedermanns Sache sein, denn auch wenn geklärt wird, wie es zu der Ausgangssituation im Buch gekommen ist, bleiben viele Dinge offen. Mir hat dieses Ende so aber gefallen, da dem Leser nicht alles haarklein vorgekaut wird, sondern dieser auch selbst mal etwas zum Nachdenken hat. Denn es lässt viel Interpretationsspielraum, wem man glaubt. Wer ist Schuldig? Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen hier eindeutig. 

"Menschen ertrinken, ohne das wir es bemerken "



Fazit:

"Atemnot" ist ein Buch, dass sowohl von seiner Geschichte, als auch von der Erzählweise anders ist, als alles was ich bisher gelesen habe. Aufgrund der Vielzahl der behandelten Themen und der psychologischen Tiefe ist es bei weitem nicht nur ein Jugendbuch, sondern auch für Erwachsene harter Tobak. Es berührt und schockiert zugleich und die Schicksale der Personen erschüttern einen zutiefst.




  


   Originalität     

   Umsetzung      

    Schreibstil      

     Charaktere     

        Tempo         

          Tiefe         


        Lesespaß      




Kommentare:

  1. Hey,

    das Buch steht schon ewig auf meiner Wunschliste und nach deiner Rezension wird mir auch wieder bewusst warum. Einerseits bin ich sehr neugierig darauf, weil ich schon einige gute Kritiken gelesen habe. Du machst mich auch wieder sehr neugierig auf das Buch. Andererseits habe ich ein bisschen Angst, dass mich das Buch zu sehr mitnimmt. Ich finde psychische Krankheiten und so weiter zwar sehr interessant, aber man muss natürlich auch damit umgehen können.
    Mal abwarten, ob das Buch irgendwann bei mir einzieht.

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    1. Huhu,
      also ich kann es nur empfehlen, aber ja es ist halt ein Buch was einen schon mitnimmt und nachhallt. Da muss man drauf vorbereitet sein. Ich habe da bei Büchern zum Glück nicht so viel Probleme, bei Filmen schon eher.

      Viele Grüße, Julia

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