Sonntag, 29. Januar 2017

[Rezension] Saeculum - Ursula Poznanski

[Rezension] Saeculum - Ursula Poznanski


Titel: Saeculum 
Autor: Ursula Poznanski
Seitenzahl: 496
Verlag: Loewe
ISBN-10: 3785577834
ISBN-13: 978-3785577837
Erscheinung Erstausgabe: 17.06.2013
Genre: Jugendthriller





Inhalt:

Bastian lernt auf einem Mittelaltermarkt eine Rollenspielgruppe namens "Saeculum" kennen, die Live-Rollenspiele veranstalten, in denen sie sich in ein entlegenes Waldgebiet begeben, wo sie das 14. Jahrhundert wieder auferleben lassen, in Rollen dieser Zeit schlüpfen und vollkommen ohne Hilfsmittel der Neuzeit auskommen. Eigentlich ist das so gar nicht Bastians Ding, aber da Sandra, mit der er gern mehr Zeit verbringen würde ebenfalls Mitglied dieser Gruppe ist, lässt er seine Bücher und sein Studium für 5 Tage ruhen und begleitet sie in die Tiefen des Waldes. 
Doch bald vermehren sich die Anzeichen, dass bei dem Rollenspiel etwas nicht so läuft wie geplant und bald läuft alles aus dem Ruder. Sind sie wirklich einem uralten Fluch erlegen, der laut einer Sage über diesem Wald liegt?


Cover und Gestaltung:

Die Gestaltung gefällt mir bei "Saeculum" extrem gut und es ist ein echtes Highlight im Bücherregal. Es ist mit dem Blick in die kahlen Baumkronen sehr toll und passend gestaltet und vermittelt schon die düstere Atmosphäre, die in diesem Buch vorherrscht. Ebenso einige schwarze Seiten im Buch. 


Meine Meinung:

Das Buch hat eine wie ich finde extrem lange Anlaufphase. Man lernt die vielen Charaktere und vor allem Bastian kennen und begleitet die Jugendlichen auf der Fahrt in den Wald, wo ihr mittelalterliches Rollenspiel stattfinden soll.
Gut fand ich zwar, dass die Charaktere gut ausgearbeitet wurden und alle sehr unterschiedliche sind, aber die c.a. 120 Seiten Einleitung am Anfang waren mir doch ein wenig viel und streckten sich beim Lesen für mich sehr.

Einmal im Wald und in ihrem Lager angekommen, nimmt die Handlung endlich Fahrt auf und die Spannung baut sich permanent auf. Das Buch entwickelte auch wieder den typischen Sog der Bücher dieser Autorin. Man wird einfach immer mehr in die Geschichte hinein gezogen und kann einfach nicht mehr aufhören zu lesen.

Der Schreibstil von Ursula Poznanksi ist klasse. Sie erzeugt eine unglaublich stimmungsvolle und gruselige Atmosphäre in diesem Wald. Und wie sie dieses erdrückende Gefühl schildert als klar wir dass etwas überhaupt nicht so ist, wie es sein sollte bis hin zur schieren Ausweglosigkeit ist einfach unglaublich gut gemacht. Auch bindet sie gut die menschlichen Abgründe ein, die entstehen können, wenn sich eine Gruppe von Menschen in einer Extremsituation befindet und ihr Leben gefährdet ist. 

Man kann gut miträtseln, denn Ursula Poznanski webt geschickt viele Kleinigkeiten und Andeutungen in ihre Geschichte ein, die richtig interpretiert Puzzlestück für die Lösung ergeben. Mit ein bisschen Nachdenken wird man auch hier spätestens nach zwei Dritteln des Buches, darauf kommen wer hinter all dem steckt, trotzdem hat mir dieses Miträtseln viel Spaß bereitet.

Bis dahin hat mir das Buch also (mal abgesehen von dem etwas zähen Beginn) sehr gut gefallen und mich gut unterhalten.
Und nun kommt das große ABER: Das Ende. Zunächst muss ich sagen waren die Handlungen der Personen im letzten Drittel doch sehr schwer nachvollziehbar. Jeder normal denkende Mensch würde sicher anders handeln. Aber die Charaktere begeben sich ohne Nachzudenken förmlich immer weiter in Gefahr, trotz all der vorgefallenen Dinge, weil es eben für die Plotentwicklung gerade notwendig war. Desweiteren gibt es an der Auslösung auch so 1-2 Dinge die unlogisch und von der Autorin wohl selbst nicht nochmal richtig zu Ende gedacht wurden. Aber gut darüber hätte ich ja gerade noch hinwegsehen können. 
Aber die Krönung war, dass am Ende sozusagen noch Verständnis für all die Taten von Erpressung über Nötigung, Freiheitsberaubung bis hin zur Körperverletzung gezeigt wird, da diese einfach so unter den Tisch gekehrt und nicht im geringsten strafrechtlich verfolgt werden. Im Gegenteil, man versucht alles zu verharmlosen, in dem man es auf die schwierige Situation in der Kindheit des Betroffenen schiebt und diese Person letztlich mit all ihren Taten einfach durchkommt und noch als genial hingestellt wird. Gerade in einem Jugendbuch stößt mir so ein Ende extrem auf.

Und so lässt mich dieses Buch, wie schon einige andere der Autorin völlig zwiegespalten zurück. Es war im Mittelteil sehr mitreißend, spannend und gut geschrieben und hätte durchaus mit einem guten Ende das Potential für 4,5 Sterne gehabt. Wenn ich mir aber nur dieses Ende betrachte, dann hätte hätte es eigentlich nur einen Stern verdient. Ich habe mich jetzt nach langem Nachdenken für einen Mittelwert für mich (als Erwachsene mitdenkende Person) entschieden. Meinem Kind würde ich es aber sicherlich in der empfohlenen Altersklasse von 14 - 17 Jahren nicht so vorbehaltlos als Lektüre geben, zumindest nicht ohne eine ausreichende Diskussion darüber im Nachhinein.




Fazit:

Bei "Saeculum" handelt es sich um einen sehr mitreißenden und überaus atmosphärischen Jugenthriller, der wie typisch bei Ursula Poznanski beim Lesen einen richtigen Sog entwickelt und Lesespaß beim Miträtseln macht. Leider hat die Autorin es jedoch einmal mehr geschafft mir dieses mit einem Ende kaputt zu machen, das neben einigen logischen Stolpersteinen vor allem eine völlig falsche Botschaft vermittelt, was ich gerade da es sich an Jugendliche richtet für sehr schwierig halte und mich dieses Buch extrem zwiespaltig betrachten lässt.




   Originalität     

   Umsetzung      

    Schreibstil      

     Charaktere     

        Tempo         

          Tiefe         


        Lesespaß      



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