Sonntag, 27. Dezember 2015

[Rezension] Coherent - Laura Newman

[Rezension] Coherent - Laura Newman



Titel: Coherent
Autor: Laura Newman
Seitenzahl: 410
Verlag: Books on Demand
ISBN-10: 373861804X
ISBN-13: 978-3738618044
Erscheinung Erstausgabe: 30.06.15

Genre: Jugendthriller, Science Fiction





Inhalt:

Sophie ist in Trauer um ihre Eltern, die beide bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. Fortan lebt sie bei ihrer Tante Anna und vergisst völlig den Schüleraustausch nach Frankreich, zu dem sie ihre Mutter noch vor ihrem Tod angemeldet hat.

Zunächst fühlt sie sich in dem Land fremd und einsam und noch etwas anderes macht ihr schwer zu schaffen: zeitgleich mit dem Tod ihrer Eltern hat sie die merkwürdige Fähigkeit entwickelt sich nur per Gedanken mit allen Geräten, die mit dem Internet verbunden sind zu vernetzen.
Doch dann läuft sie dem Franzosen Jean vors Fahrrad. Die beiden nähern sich zaghaft an und endlich hat Sophie jemanden gefunden, mit dem sie das Geheimnis um ihre ungewöhnliche Gabe teilen kann. Sie lernt mehr und mehr mit ihren neuen Fähigkeiten umzugehen und sie für ihre eigenen Zwecke einzusetzten, bekommt aber unterdessen nicht mit, dass auch eine mysteriöse Organisation auf ihre Gabe aufmerksam geworden ist.



Cover und Gestaltung:

Das Cover zeigt die Protagonistin Sophie mit ihren langen roten Haaren. Das Netzwerk auf ihrem Körper deutet auch schon auf den etwas technischen Inhalt des Buches hin. Besonders gut gefällt mir die Farbgebung des Covers: das rot der Haare kombiniert mit dem türkisen Hintergrund.


Weniger angesprochen hat mich das Layout im Buch. Die Schrift und die Zeilenabstände, sowie auch die Zeilenränder sind sehr klein, was sehr anstrengend beim Lesen ist. Noch anstrengender fand ich allerdings die Qualität des Taschenbuches, was immer wieder zuklappen wollte. Möchte man das Buch nicht total knicken, ist ein großer Kraftaufwand nötig, um das Buch offen zu halten und es verursachte mir regelmäßig Schmerzen im Handgelenk während des Lesens. Das ist natürlich eine Frage des Preises bei einem selbst verlegten Taschenbuch, aber ich persönlich würde lieber ein paar Euro mehr ausgeben für ein weniger anstrengendes Schriftbild und eine bessere Qualität des Taschenbuches.
Da das Taschenbuch nun aber bei einem Verlag veröffentlicht wurde, kann es sein, dass somit auch die Qualität verbessert wurde.



Meine Meinung:

Die Handlung baut sich in "Coherent" sehr langsam auf. Im ersten Teil begleitet man Sophie, wie sie erst einmal ihre besondere Gabe kennenlernt und damit anfangs heillos überfordert ist. Erst ganz allmählich lernt sie damit umzugehen, wobei ihr Jean hilft, ein Franzose den sie bei ihrem Schüleraustausch kennen und lieben lernt. Auch diese Beziehung wird sehr detailliert, wenn auch nicht zu kitschig von der ersten Begegnung bis hin zum Aufbau einer zarten Liebesgeschichte beschrieben. 
Eigentlich mag ich es sehr gern, wenn man erstmal die Charaktere und Hintergründe kennen lernen kann, aber hier fand ich die Länge des ersten Teiles bald etwas zu viel des Guten. Es gibt zwar immer die unterschwellige Spannung, was hinter Sophies Gabe steckt, aber so richtig kommt das Buch lange Zeit nicht in Fahrt. Dafür ist dieser Teil sehr atmosphärisch und man kann sich die kleinen Städtchen in Frankreich sehr gut vorstellen.

Es folgt ein sehr großer Zeitsprung, über dessen Ereignisse wenig erzählt wird, was ich wiederum etwas schade fand, da mich hier doch einige Begebenheiten mehr interessiert hätten, als in der langen Einführung.
Der zweite Teil gefiel mir dann wesentlich besser, da sich hier die Spannungskurve um 180 Grad dreht. Sophie wird nun aufgrund ihrer Gabe von einer geheimnisvollen Organisation gejagt und es folgt eine rasante Verfolgungsjagd über mehrere Kontinente. Wer wirklich hinter dieser Organisation steckt und was es tatsächlich mit Sophies Gabe auf sich hat bleibt sehr lange undurchsichtig und ich habe es auch erst kurz bevor das Geheimnis im Buch gelüftet wurde geahnt.

Die Thematik des Buches ist innovativ und hat mir sehr gut gefallen. In Anbetracht der rasanten Technisierung unserer Welt, habe ich selbst (als Kind der 80er Jahre) ab und zu Bedenken, wohin das noch alles führen soll. Die Technik greift immer mehr in unser Leben ein. Wenn man sich so umschaut verwachsen mehr und mehr Menschen ja schon förmlich mit ihrem Handy. Wer hält es denn heutzutage schon nochmal ein paar Stunden ohne sein Smartphone aus. Da ist der Weg bis zu Sophies Gabe leider gar nicht mehr so abgefahren und undenkbar, wie es vielleicht klingen mag. Das Buch hat mich auf jeden Fall zum Nachdenken angeregt und weist durchaus auch gesellschaftskritische Aspekte auf.
Die Geschichte ist sehr vielschichtig und den Leser erwartet eine gelungene Mischung aus Spannung, Action, Drama, Technik und Romantik.

Aufgrund des ausführlichen ersten Teiles lernt der Leser die Charaktere sehr gut kennen.
Sophie wächst einem schon allein aufgrund ihrer Schicksalsschläge sehr ans Herz.
Während sie im ersten Teil noch sehr schüchtern und verunsichert, aber keineswegs unsymphatisch wirkt, entwickelt sie sich nach dem Zeitsprung zu einer sehr reifen, selbstständigen und mutigen jungen Frau. Ich konnte nicht all ihre Entscheidungen nachvollziehen, was aber wohl auch daran liegt, dass man als Leser aufgrund von verschiedenen Erzählperspektiven einen Wissensvorsprung hat. Außerdem machen sie ihre kleinen Fehler nur authentischer.
Der zweite Protagonist Jean wirkte auf den ersten Blick eher wie ein selbstverliebter Macho, entwickelte sich aber zum Glück bald zu einem charmanten und zuvorkommenden jungen Mann, der aber auch sehr temperamentvoll und charismatisch ist.
Unter der Vielzahl von Nebencharakteren steht Lamar Bishop am meisten im Vordergrund und hat mir auch am besten gefallen. Nach seiner Scheidung leidet er sehr unter der Trennung von seiner Tochter, die er kaum sieht und entwickelt ein Alkohlproblem. In dieser Situation seines Lebens erhält er den Auftrag Sophie für eine mysteriöse Organisation zu observieren.

Sophie, Jean und Lamar sind auch die 3 Charaktere aus deren Perspektive die Geschichte kapitelweise abwechselnd erzählt wird. Solch ein Wechsel der Perspektiven gefällt mir immer sehr gut, da man dadurch die Hintergründe und Gedanken der einzelnen Charaktere viel besser kennen lernt. Laura Newman hat diesen Perspektivwechsel auch sehr gut gestaltet, in dem sie den Schreibstil an den jeweiligen Charakter aus dessen Sicht das Kapitel ist angepasst hat.
Auch ansonsten hat mir Lauras Schreibstil sehr gut gefallen. Er ist flüssig, sehr lebendig und bildgewaltig, wenn auch an manchen Stellen bald etwas zu ausführlich.


Fazit:

"Coherent" ist ein Jugend-Science-Fiction Thriller, der sehr ruhig beginnt. Aber wenn man im ersten Teil einen langen Atem hat wird man mit einer abenteuerlichen und sehr vielfältigen Geschichte zu einer aktuellen Thematik, über die man sich durchaus mal ein paar Gedanken machen sollte, belohnt.




   Originalität     

   Umsetzung     

    Schreibstil     

     Charaktere    

        Tempo       

          Tiefe        

        Lesespaß     



Vielen Dank an Books on Demand für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!





Kommentare:

  1. Huhu,

    das hört sich ja ganz gut an :) vielleicht werde ich mir das Buch auchmal vorknöpfen.

    Liebe Grüße
    deine neue Leserin Nele

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  2. Ich habe nicht extra nachgeguckt, aber ich habe die Drachemond-Ausgabe und mich hat das Schriftbild nicht gestört - es scheint sich verbessert zu haben! Die Perspektiven.. ich finde es gut, dass sich nur wenig überschneidet und man selten das Gefühl hat, etwas schonmal gelesen zu haben. Mich hat der Zeitsprung selbst nicht gestört, aber ich hätte gern mehr davon gelesen, was Sophie mit ihren Fähigkeiten macht. Besonders den Aspekt, dass sie damit ihren Lebensunterhalt verdient, fand ich gut!

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