Samstag, 3. Februar 2018

[Rezension] Der Wolkenatlas - David Mitchell

[Rezension] Der Wolkenatlas - David Mitchell

Titel: Der Wolkenatlas
Autor: David Mitchell
Seitenzahl: 672
Verlag: Rowolth
ISBN-10: 349924036X
ISBN-13: 978-3499240362
Erscheinung Erstausgabe: 01.11.2007

Genre: Genremix (Belletristik, Historisch, Dystopie)
Handlungsort: Ozeanien (Chatham Islands), Belgien, USA (Buenas Yerbas), England, Korea, Hawaii,


Inhalt:

Ein amerikanischer Notar, der um 1850 Ozeanien bereist. Ein talentierter junger Musiker, der 1931 nach Belgien flüchten muss und dort eine Anstellung bei einem alternden, kranken Komponisten findet. Eine junge amerikanische Journalistin die 1975 einen Skandal aufdecken will. Ein Verleger in der heutigen Zeit, der seine Flucht organisiert. Ein korreanischer Klon der Zukunft, der angeklagt wird, weil er menschliche Gefühle entwickelt. Und eine noch fernere Zukunft, in der der Ziegenhirte Zachry über die Überreste der menschlischen Zivilisation berichtet.
Diese 6 so verschiedenen Lebenswege können sich unmöglich kreuzen und sind dennoch miteinander verwoben.


Cover und Gestaltung:


Das Cover ist sehr farbenfroh und auffällig gestaltet. Es zeigt verschiedene Ansichten des Himmels in unterschiedlichen Farben und passt daher zum Titel des Buches. Auch die Gestaltung des Covers wie ein Patchwork Teppich aus vielen Bildern ist sehr passend und findet sich im Buch sowohl in der Vielzahl an unterschiedlichen Handlungssträngen, als auch in der Vielfalt der stilistischen Mittel, Zeiten und Genres wieder. 


Meine Meinung:

Das Buch erzählt von 6 extrem verschiedenen Lebensgeschichten die auch noch in 6 ganz verschiedenen Epochen spielen und man hat als Leser zunächst überhaupt keine Ahnung, wie dies denn zusammenhängen soll. 

Genauso vielfältig wie die Handlungsstränge ist auch der Schreibstil des Buches. Der Stil wechselt zwischen den Perspektiven so extrem, dass man ihn stünde es nicht vorn auf dem Buch niemals einem einzigen Autor zugeordnet hätte. Dabei hat man je nach Epoche alles von altertümlich über eine förmliche Ausdrucksweise bis zur Umgangssprache dabei und in den Zukunftspassagen wird es dann sogar sehr futuristisch.
Aber nicht nur der Schreibstil, sondern auch die Erzählstruktur wechselt häufig. von Tagebucheinträgen, über Briefe, Berichte, Erzählunhgen bis hin zu Interviews.

Der erste Erzählstrang war für mich wegen des altertümlichen Stils her mit Abstand der Schwierigste. So hatte ich ein paar Probleme in das Buch hineinzukommen und überlegte auf den ersten paar Seiten schon, ob das Buch wohl etwas für mich ist. Daher kann ich auch verstehen, dass viele Leute es nach den ersten 50 Seiten abbrechen. Aber ich kann nur sagen durchhalten lohnt sich hier und ich bin so froh dieses Buch gelesen zu haben auch wenn es teilweise schwierig oder manchmal etwas zäh war.

Ich hatte natürlich so meine Lieblings Erzählstränge, die für mich am Spannensten waren und bei denen ich auch zügig am Lesen war. Andere Erzählstränge, die mich nicht ganz so gepackt haben streckten sich schon einmal mehr in die Länge, da alles doch sehr detailliert beschrieben wird.

Richtig gut gelungen fand ich den Aufbau des Buches wie eine Matroschka. Man beginnt beim ersten Handlungsstang in der Vergangenheit, der irgendwann sogar mitten im Satz abbricht. Zunächst denkt man es fehlen Seiten in dem Buch, aber tatsächlich wird man mittenrein in den zweiten Handlungsstrang katapultiert, danach in den dritten und so weiter. Nur nach dem 6. Handlungsstrang geht es nicht weiter in die Zukunft, sondern dieser bildet sozusagen die Innerste Matroschka und den Wendepunkt. Danach geht man durch alle vorhergehenden Perspektiven wieder zurück, bis man wieder bei dem amerikanischen Notar angelangt der um 1850 auf einem Schiff von seiner Ozeanienreise nach Hause reisen will.

Insgesamt hat mich dieses Buch extrem fasziniert. Die lockere Verknüpfung der Schicksale ist sehr gut gelungen. Es gibt in den einzelnen Passagen viel zu entdecken und der Roman regt sehr zum Nachdenken über die Menschlichkeit, die Entstehung der westlichen Welt und die tieferen Aussage der Geschichte an.


Fazit:

"Der Wolkenatlas" ist eine außergewöhnliche Reise durch verschiedene Epochen, Kulturen und Schicksale. Auch wenn es nicht immer ganz einfach zu lesen ist lohnt sich das Durchhalten. Es ist für mich durch die außergewöhnliche sprachliche Vielfalt, den grandiosen Aufbau und die faszinierende Verknüpfung der Schicksale aus all diesen Zeitaltern definitiv ein literarisch sehr wertvolles Werk, das man gelesen haben sollte.





Originalität    
  
Umsetzung     

 Schreibstil     

  Charaktere   

    Tempo        
      
      Tiefe        
  
     Lesespaß     





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