Sonntag, 27. April 2014

Phantasmen - Kai Meyer

[Rezension] Phantasmen - Kai Meyer





Titel: Phantasmen 
Autor: Kai Meyer 
Seitenzahl: 400
Verlag: Carlsen
ISBN-10: 3551582920
ISBN-13: 978-3551582928
Erscheinung Erstausgabe: 14.03.2014





Lesezeitraum:

01.04.2014 - 06.04.2014


Inhalt:

Am sogenannten "Tag 0", der 18 Monate vor dem Einstieg der Geschichte liegt, tauchten plötzlich in der ganzen Welt die Geister der Verstorbenen wieder auf. Zunächst erscheinen diese relativ harmlos. Sie stehen einfach nur regungslos leuchtend, immer der Sonne zugewandt da und können von allen gesehen werden. Ihr Auftauchen folgt einer bestimmten Gesetzmäßigkeit, so dass mit der Zeit die Geister von immer weiter zurückliegenden Verstorbenen auftauchen und es immer mehr von ihnen auf der Welt werden.
Die Schwestern Rain und Emma haben ihre Eltern 3 Jahre zuvor durch einen Flugzeugabsturz verloren und machen sich am errechneten Tag der Rückkehr ihrer Eltern als Geister auf den Weg in die Wüste Spaniens, um sich ein letztes Mal von ihnen zu verabschieden. Dort treffen sie auch auf den Norweger Tyler, der bei dem Unglück seine große Liebe Flavie verloren hat.
Doch als die Geister der Passagiere des abgestürzten Fluges auftauchen fehlen 12 und eine unheimliche Veränderung geht mit ihnen vor. Sie beginnen zu lächeln, und es ist ein bösartiges Lächeln und stellt eine Bedrohung für die gesamte Menschheit dar.


Cover und Gestaltung:

Das Cover finde ich absolut genial. Es zeigt von Nebel und Dunst umgebene Menschen, welche wohl die Geister einiger Verstorbener darstellen sollen. Die Grünliche verwaschene Farbgebung und der starre in die Ferne gerichtete Blick lassen sie auf jeden Fall wie Geister erscheinen. 
Das Cover wirkt sehr düster, beklemmend und geheimnisvoll und passt damit perfekt zu der Stimmung im Buch und zur Geschichte. Die Farbgebung finde ich dabei im Original noch viel schöner als auf den Bildern und es gehört zu meinen absoluten Lieblingscovern meines Bücherregals.


Meine Meinung:


"Ich hatte immer angenommen, dass das erste Anzeichen des Weltuntergangs ein Flammenpilz am Horizont sein würde, dann ein zweiter und schließlich so viele, dass es aussähe, als ob der der Himmel selbst auf Säulen aus Feuer ruhte. Aber ein Lächeln?"
(Seite 64)



Eigentlich ist Fantasy und alles was mit übernatürlichen Wesen zu tun hat ja gar nicht so mein Bereich, aber Kai Meyer hatte es geschafft mich auf der Leipziger Buchmesse in 30 Minuten von seinem Buch zu überzeugen. Gleich vom Einstieg der Geschichte an fühlt man sich von dieser unglaublich geheimnisvollen und mystischen Atmosphäre umgeben, die im gesamten Buches herrscht.
Vielleicht hat es mir aber auch so gut gefallen, weil es eigentlich weniger Fantasy ist, als ich zunächst dachte. Viel mehr würde ich es ins Science Fiction Genre einordnen und es als apokalyptischen Endzeitroman bezeichnen.
Die Grundidee von der Rückkehr der Geister der Verstorbenen fand ich dabei einzigartig und genial. Bereits die Szene der Rückkehr der Verstorbenen des Flugzeugabsturzes fand ich enorm fesselnd und eindrucksvoll beschrieben und von da an hält sich der Spannungsbogen über das gesamte Buch hinweg. Man will unbedingt wissen, was es mit der Rückkehr der Geister auf sich hat und in welcher Apokalypse das enden soll. Spätestens ab den ersten Erklärungen, woher die Geister kommen kann man das Buch nicht mehr weglegen. An Spannung und Action mangelt es in diesem Buch jedenfalls nicht und ich könnte es mir prima als Hollywood Endzeitdrama vorstellen.
Kai Meyers bildhafter und anschaulicher Schreibstil und sein Erzähltalent sind einfach unglaublich und entfalten eine regelrechte Sogwirkung des Buches.
Die ganze Geschichte wird aus der Sicht von Rain erzählt. Und das ist auch mein so ziemlich einzigster Kritikpunkt bei dem Buch. Trotz der gewählten Ich-Perspektive war Rain die Protagonistin, die mir über die gesamte Geschichte hin am fremdesten blieb. Ich konnte kein Stück mit ihr mitfühlen und das, was man über sie erfuhr ergab irgendwie kein schlüssiges Bild für mich. Außerdem ging sie mir bald mit ihrem übertriebenen Beschützerdrang ihrer kleinen Schwester Emma auf die Nerven und wurde mir im Verlauf des gesamten Buches nicht so richtig sympathisch. Ganz anders Emma, die hoch intelligent ist, eine sehr interessante Sicht auf die Welt hat und eigentlich in jeder Situation den besseren Überblick besaß. Sie hatte ich sofort in mein Herz geschlossen. Was mit ihr  los ist bzw. warum sie so anders ist als andere Menschen kann sich der Leser hierbei selbst zusammenreimen, aber mich hat das Fehlen von Gefühlsregungen und das nicht Erkennen dieser bei anderen Menschen, sowie ihre Sicht auf die Welt und ihr Überblick in manchen Situationen stark an autistische Züge erinnert.
Tyler, den männlichen Protagonisten fand ich nicht unsympathisch, aber etwas farblos. Er wird eigentlich nur durch seine große Liebe zu Flavie definiert. Um ihm diese aber richtig abkaufen zu können erfährt man zu wenig über die Vorgeschichte der beiden.
Ein weiteres kleines Manko war für mich, dass man so wenig von dem Drahtzieher des Ganzen, bzw. dem der am Ende für alles verantwortlich war und zu seinen Beweggründen erfahren hat. Da hätte ich mir eine noch etwas genauere Ausarbeitung gewünscht.


Fazit:

"Phantasmen" ist ein fesselnder, atemberaubender und sehr rasant erzählter Endzeitroman. Er überzeugt durch eine außergewöhnliche Romanidee und einen fantastischen Schreibstil.. Trotz kleinerer Kritikpunkte kann ihn nur jedem weiterempfehlen.


Insgesamt erhält das Buch von mir 4 von 5 Sternen.




Kommentare:

  1. Vielen Dank für die schöne Rezension!
    Liebe Grüße
    Kai

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    1. Oh ein Besuch vom Autor persönlich :) Vielen Dank dafür und für das tolle Buch. Es waren ein paar sehr spannende Lesestunden.
      Liebe Grüße, Julia

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